Wie werden sich die Haiti-Neuspender verhalten?
Nach Katastrophen wie dem Erdbeben in Haiti helfen viele Menschen mit einer Spende. Zum ersten Mal lag Österreich sogar im internationalen Spitzenfeld: Pro Einwohner spendeten wir knapp unter vier Euro.
Das ist Platz drei, hinter der Schweiz mit rund sieben Euro und den Niederlanden mit etwas über vier Euro – in Summe waren es bis Mitte März rund 32 Millionen Euro alleine in Österreich (Quelle: FVA). Doch bleiben die zu diesem Anlass neu gewonnenen Unterstützer auch länger treu? Hier die wichtigsten Eckdaten zu dieser Frage:
Dauerbrenner oder Eintagsfliege?
Neuspender, die durch ein Notfalls-Mailing gewonnen wurden, lassen sich im Schnitt gleich gut zu einer zweiten Spende bewegen, wie andere Neuspender. Mindestens jeder zweite Katastrophenhilfe-Neuspender gibt zumindest eine zweite Spende! In anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder Schweiz liegen diese Zahlen für Notfall-Neuspender deutlich darunter. Die Bereitschaft zu helfen ist aber – wie in Österreich – im Katastrophenfall hoch.
Betrachtet man den Spendenschnitt bei den Folge-Aktionen, dann liegen die Katastrophen-Neuspender auch hier auf dem Niveau der anderen Vergleichsgruppen. Nur über einen langen Zeitraum gerechnet, sinkt die Reaktionsquote etwas – um knapp fünf Prozentpunkte unter den Durchschnittswert.
Großherzige Hilfe am Telefon
Schon von den Tsunami-Spendern wissen wir, dass diese bei einem Anruf nach einem neuen Notfall bereitwillig wieder mithelfen. Bei den aktuellen Telefonaufrufen für Haiti lag die Durchschnittsspende der Personen, die über eine frühere Katastrophe gewonnen wurden, im Schnitt um mehr als 60 Prozent über den anderen Spendern. Notfall-Neuspender sind bereit, bei einem telefonischen Aufruf nach Katastrophen tiefer in die Taschen zu greifen und großzügiger zu helfen.
Wie reagieren Tsunami-Spender auf Haiti-Mailing?
Die größte Hilfsbereitschaft in der jüngeren Vergangenheit war nach dem Tsunami in Südost-Asien zu beobachten. Damals wurden viele Neuspender gewonnen. Die spannende Frage lautet: Sind diese Spender auch bei einem schriftlichen Hilfsaufruf für die Haiti-Opfer offener und hilfsbereiter?
Die Antwort lautet: Ja! Der ohnehin schon hohe Spendenschnitt auf Haiti-Aussendungen liegt bei den „Tsunami-Spendern“ nochmals im Mittel um gut zwei Euro höher. Das gleiche gilt für die an sich schon erfreuliche Reaktionsquote: Sie liegt bei diesen Spendern um rund zwei Prozentpunkten über den anders gewonnenen Spendern.
Alles in allem:
Katastrophenspender lassen sich – wie andere Erstspender auch – zu einer zweiten Spende bewegen und reagieren ebenfalls auf Folge-Aktionen. Die Reaktionsquote liegt langfristig betrachtet zwar etwas unter anderen Spendern. Aber besonders erfreulich ist, dass ihre Hilfsbereitschaft bei neuen Katastrophen erhalten bleibt und sogar deutlicher ausfällt.