31. Oktober 2018

Fundraising Kongresse: die wichtigsten Eindrücke!

Seit genau einem Vierteljahrhundert versammelt der österreichische Fundraisingverband nun nationale wie internationale Experten. Diesmal unter dem Motto „Fundraising 4.0 – the future is now!“. Mit dem Titel „together we can“ lockte der IFC 1.000 Teilnehmer von mehr als 65 Ländern nach Holland. Wir waren bei beiden live dabei!

Kategorien: Innovationen und Markt-Themen.

Alte Wahrheiten mit neuen Erkenntnissen verbinden

In Wien: Unsere Kollegen Dr. Irene Zanko und Markus Fürnweger haben mit ihrem Vortrag „Brave new digital world. Brave new donor?“ bewährtes Wissen und neue Kanäle vereint.

Die Frage ob Offline tot ist, können wir vorweg bereits mit Nein beantworten. Aber Online wird immer wichtiger. Kein Wunder, denn die tägliche Internetnutzung hat sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht.

Der Algorithmus belohnt das, was geteilt, geliked und kommentiert wird – und das sind polarisierende, sensationelle Inhalte. Das wirkt sich natürlich auch auf die Sprache aus. Die Tech-Riesen Amazon, Google und Facebook setzen Standards und verändern unsere Erwartungshaltung. Amazon zum Beispiel beeinflusst unser Konsumverhalten, Facebook unseren Kommunikationsstil und was bei Google nicht erscheint, „gibt es quasi nicht“.

Unsere Aufmerksamkeitsspanne schmilzt. Waren wir 2000 noch auf einem Niveau von 12 Sekunden, liegt sie heute im Schnitt knapp unter der eines Goldfisches bei neun Sekunden. Es wird nur noch gescannt statt gelesen, und nur acht von zehn Personen scrollen überhaupt noch. Im Fundraisingbereich gilt daher: Die Spender tolerieren keine komplizierten, langweiligen Mailings und sind Online noch kritischer. Texte müssen noch prägnanter sein.

Bei all diesen Überlegungen darf nicht auf die Smartphones vergessen werden, sie sind die „Schaltzentrale des digitalen Lebens“. Denn: 214 Mal pro Tag haben wir es in der Hand, für durchschnittlich 90 Minuten. An die 50% nutzen es auch im Bad und auch wenn sie fernsehen. In der Gruppe der 55-64 Jährigen besitzen zwei Drittel ein Smartphone. In der Gruppe 65-74 Jahre bereits knapp die Hälfte!

Existiert nun aber ein „Brave New Donor“? Die Antwort lautet: Jein. Natürlich verändern sich die Rezeptionsweisen, die Aufmerksamkeitsspanne und die Mediennutzung. Aber manche Dinge ändern sich nie. Menschen lieben Geschichten – Fundraiser auch. Denn sie geben Wissen und Erfahrungen weiter, lösen Bilder im Kopf aus, die die rechte und die linke Gehirnhälfte ansprechen und so in Erinnerung bleiben, weil sie Emotionen auslösen und weil Menschen Geschichten einfach brauchen – als Trainingscamp für den Geist.

NEW DONOR? Menschen:

  • lieben immer noch Geschichten.
  • sind immer noch soziale Wesen mit Mitgefühl und Empathie.
  • streben immer noch nach Fairness und Kooperation.
  • wollen immer noch dazu gehören, involviert sein.
  • wollen immer noch ein Ziel erreichen.
  • vertrauen immer noch Bildern.

Zusammengefasst können wir sagen: Das Wesen der Menschen ändert sich nicht, aber die Welt ändert sich durch die Digitalisierung.

Die digitale Welt brachte auch ein Ende der schweigenden Mehrheit und eine neue Art und Weise, wie wir kommunizieren, nämlich: prägnanter, auf Augenhöhe, persönlich und vor allem jeder mit jedem. Vertrauen ist wichtig, Bequemlichkeit aber auch.

Der New Donor ist jedenfalls schon da. Früher passierte Kommunikation aus der Sicht der NPO. Wie wir wissen, entscheidet heute mehr und mehr der Spender, wohin die Reise geht. Auf der sogenannten Donor-Journey können wir ihn nur begleiten und in eine Richtung leiten.

Für eine besondere Donor-Journey haben wir ganz aktuell eine neue Auszeichnung erhalten. Mehr erfahren Sie hier!

 

Das wird wohl immer richtig sein

#Donorlove – der Spender steht im Mittelpunkt

Braucht es in Zeiten von Algorithmen und Robotern überhaupt noch Fundraiser? In seiner Keynote „Der Mensch in der digitalen Transformation“ hielt Patrick Hafner in Wien ein Plädoyer für Fundraiser. Die Arbeit von Morgen braucht Vertrauen und Wertschätzung. Menschen arbeiten mit Menschen. Emotional und persönlich. Im Fundraising geht es nicht nur um die Technik, sondern um schöne Geschichten. Mit Herz und Seele!

Ein gutes Beispiel dafür war der Vortrag von Kommunikationsspezialist Tony Myers: Die „Echokammern“ auf Social-Media-Kanälen verbreiten Ängste und spalten die Welt. Hier sieht er in den NPOs ein wertvolles Gegengewicht. Sie zeigen, was man gemeinsam schaffen kann. Sie bringen zusammen, stärken den Dialog. In seinen Gesprächen mit Großspendern macht er vor allem eines: Er hört zu! Einmal hat er Großspender nach dem schönsten Geschenk gefragt. Als Antwort kommen meist Kleinigkeiten! Zum Beispiel ein Großspender, der einst ein Flüchtling war, erinnert sich an ein Parfum, das ihm geschenkt wurde. Trotz Hunger und Entbehrungen hat er sich über diese Aufmerksamkeit gefreut: „Einfach nur, weil jemand an mich gedacht hat“. Das sind prägende Momente, die ein Algorithmus nicht erfassen kann. Hören Sie zu, versuchen Sie zu verstehen, lassen Sie sich auf Ihren Gesprächspartner ein.

Stellen Sie nur eine Frage, äußern Sie nur einen Wunsch!

Eine alte Fundraiser-Weisheit wurde beim IFC aufgegriffen. Verlange nicht zu viel von deinem Gegenüber: frage nach einer Spende, frage nach einer persönlichen Einschätzung, frage nach Verbesserungen. Stelle aber immer nur eine Frage zu einem Zeitpunkt!

Testen Sie die Tests

Überprüfen Sie alte Erfahrungen mit neuen Tests. Und zwar: immer wieder! Denn der Markt sowie die Ansprechpersonen verändern sich. Daher sollte man nicht zu sehr an Altbewährtem haften, sondern auch immer weiter probieren und nicht aufgeben!

Was die Digitalisierung noch verändert

Gamification

Das ist das neue Schlagwort. Björn Lampe hat Wege vorgestellt, um neue Zielgruppen zu erreichen. Wie die Game Convention in Berlin zum Beipiel, bei der die besten Videospieler zum Spenden aufrufen. Dieser Aufruf kann auch über eine App namens Twitch erfolgen. Hier erreichen Sie ein neues Publikum, nutzen das Wettbewerbsumfeld und die virale Verbreitung.

Arne Gels hat untersucht, was hinter dem Spielen steckt und erkannt, dass wir eigentlich alle Spieler sind! Das beginnt schon als Kleinkind und hört im Erwachsenenalter nicht wirklich auf. Spielen ist menschlich. Auch im Fundraising können diese Mechanismen bei Aktionen oder Kampagnen genutzt werden.

Vielleicht erinnern Sie sich an den Wahl-O-Mat? Er dient als Entscheidungshilfe für die richtige Partei. Nun gibt es den Spend-O-mat, bei dem man sein Herzensprojekt entdecken kann.

Die Kunst bei diesen Projekten wird es sein, die Spender vom einmaligen Event zur langfristigen Unterstützung zu führen. Falls das nicht zu hoch gegriffen ist – für den Homo ludens?

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